Zum Urlaub nach Hamburg und Kopenhagen

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Holiday

Zeit für Urlaub

Wir beide (das sind Martina und ich) waren wieder einmal reif für Urlaub. Die Hochzeitsplanungen und Stress im Job waren schuld daran. Eigentlich wollten wir mit dem T3 Bus durch Skandinavien fahren, aber dafür hätte eine Woche Urlaub nicht gereicht. Und irgendwie wollte ich dennoch in den Norden. Warum nicht Dänemark? Meines Wissens schwärmten alle Leute, die dort waren, von Dänemark. Eine befreundete Familie ist dort sogar zu Beginn ihrer Rente hingezogen. Viel mehr wusste ich über Dänemark bisher nicht. Und das reizte mich. Gut, dass meine Verlobte so unkompliziert ist und direkt zustimmte. Und Kopenhagen reizt mich schon lange.

Da mich Fahrradfahren glücklich macht war für mich sofort klar, dass die Bikes mit müssen. Eigentlich wäre die Reise für den VW Bus prädestiniert, aber überlegt man, dass man mit dem Bus nur zw. 110-120km/h fährt, so wird klar, dass für Hin- und Rückreise zusammen 4 Tage drauf gehen. 4 Tage auf der Straße verbringen um 3 Tage Urlaub zu haben? Das macht wenig Sinn.

Mit dem Smart ins Glück

Zum Glück mangelt es nicht an Fahrzeugen und es wurde schnell klar, dass Turbo-Smarti das Zugpferd für Martina, mich, Gepäck und zwei Mountainbikes werden würde. Torbo-Smarti ist ein zum Brabus umgebauter Smart 451 cdi, den ich aufwändig Schallgedämmt, mit Lenkradschaltung, Tempomat und Android System ausgestattet habe. Sogar Navi mit Rückfahrkamera sind an Board. Natürlich hatte ich die aufwändige Installation der Fahrradträgervorbereitung in weißer Voraussicht im Winter vorbereitet. Man würde es nicht denken, aber in das kleine Auto geht alles rein. Einmal habe ich sogar 11 (!) Getränkekisten transportiert.

Der Smart Fortwo 451 hat einen riesigen Kofferraum. Hier habe ich mal 11 Getränkekisten transportiert

Es soll nach Dänemark gehen

Wo in Dänemark möchten wir eigentlich hin? Das Land ist vielfältig. Unsere Wahl viel auf Lolland. Das ist die Insel, auf der auch Kopenhagen liegt. Die Insel Lolland ist mit der Fähre von Puttgarden nach Rødbyhavn zu erreichen. Und Kopenhagen ist die Fahrradhauptstadt der Welt. Nirgends gibt es eine bessere Fahrradinfrastruktur als dort. Das wollte ich schon immer mal live miterleben. Was wir nicht wussten: die Überfahrt mit der Fähre schlägt mit 105€ einfache Fahrt zu buche. Wow. Dafür hat man an Board eine Dreiviertelstunde Zeit, zu essen und Steuervergünstigt Dosenbier zu kaufen.

Fahrt nach Hamburg

Von Anfang an war klar, dass wir die 9,5h, die Google bis nach Dänemark vorschlägt, nicht am Stück durchfahren möchten. Denn mit Pausen und Staus würden daraus schnell 13h werden. Und wir sind ja im Urlaub. Also organisierte ich in Hamburg eine Übernachtung in der traumhaft schönen Jugendherrberge Stintfang. Und für knapp 30€ p.P. mehr als günstig. Zentraler und besser könnte eine Unterkunft kaum liegen.

Wir besuchten gleich mal zu Fuß die Elbphilharmonie, weil sie direkt nebenan lag. Nebenbei sahen wir so auch schon die Speicherstadt von den Brücken aus. Etwas ängstlich waren wir, als wir sahen mit welch massiven Schlössern die Hamburger ihrer Fahrräder dort absperren. Großstadt heißt nämlich auch Kriminalität. So werden hier sogar Mülleimer angekettet. Klar, Mülleimer, ein klassisches Diebesgut. Und dennoch war ich positiv überrascht, dass auch in Hamburg der Trend langsam aber sicher vom Auto hin zum Fahrrad entwickelt. Extrige Fahrradfahrstreifen vermitteln ein gutes Gefühl der Sicherheit.

Bootsfahrt in Hamburg

Hamburg ist groß. Also das, was man im und am Hafen sieht. Kräne, die scheinbar endlos hoch sind. Kreuzfahrtschiffe, die über 20 Geschäfte an Board haben und mehr Leute beherbergen als so manche Kleinstadt blasen im Hafen stehend aus einem der 12 Kamine mehr Dreck aus den Kaminen als durch die erst kürzlich eingeführten Innenstadt Dieselfahrverbote jemals eingespart werden könnte. Da wir spontan sind, entscheiden wir uns, eine einstündige Bootsrundfahrt für 16,-€ p.P. mitzumachen, und so sitzen wir dank Glück 3min später in einem Kutter namens Thomas und fahren durch die Speicherstadt. Ehrlich, diese Tour ist jedem zu empfehlen.

Da wir mit dem Rad unterwegs sind, können wir quasi ganz Hamburg binnen eines halben Tages erkunden. Wir halten dort an, wo es uns gefällt, und fahren weiter, wenn es langweilig wird. Die Landungsbrücken und Speicherstadt sind schön, moderne Wohnappartments entstehen hier und da, und dennoch zieht es uns zum Park „Planten un Blomen“ mit botanischem Garten. Natürlich durfte ein Abstecher auf den Kiez nicht fehlen. Die Reeperbahn sollte man schon mal gesehen haben, wenn man in Hamburg ist. Aber da Sonntag Frühabend ist, sehen wir außer ein paar Prostituierten und dubiosen Gestalten kaum etwas. Kommt mir sogar entgegen, Menschenmassen und aufdringliche Leute sind eh nicht so meins.

Alles in allem bin ich positiv überrascht von der Einfachheit und Unkompliziertheit mit Martina. Und am nächsten Tag ging es schon auf nach Lolland.

Lolland (Dänemark)

Norddeutschland ist auch so für sich schon spannend, man sieht viel Steppe und Wohnwagen mit roten Lichterketten 🙂 Aber wir düsen weiter nach Lolland. Bevor wir jedoch nach Lolland übersiedeln konnten, mussten wir mit der Fähre von Puttgarden nach Rødbyhavn fahren. Das dauert wie schon erwähnt eine Dreiviertelstunde und war mir von meinem Schweden Urlaub schon bekannt. Überhaupt hat Dänemark schon viel Schwedisches Flair. Ein dünn besiedeltes, unverbautes Land, radfahrende Leute, lange Sonnenuntergänge und viele blonde Jungs und Mädels. Um zu unserer Ferienwohnung zu kommen, mussten wir zunächst am DanCenter Schlüssel und Bettwäsche aus einem offenen Briefkasten holen. Die Veranstalter haben wir während des gesamten Urlaubs kein einziges Mal zu Gesicht bekommen. Hier läuft viel auf Vertrauensbasis, und das klappt gut. Das ist uns deutlich angenehmer als die angeketteten Mülleimer in Hamburg.

Nur-Dach-Haus

Unsere Ferienwohnung ist im Prinzip ein Nur-Dach-Haus. Wir haben also ein Fachwerkdachgeschoss im Erdgeschoss. Mega gemütlich, urig, schön. Wasser und Strom mussten wir ablesen und in eine Liste eintragen. Wir sind einfach nur Glücklich. Unser Häuschen ist in einer kaum bewohnten Ferien-Anlage, 500m vom Strand entfernt, wäldlich gelegen. Im Garten haben wir ein Haus-Reh und 2 Fassane und Hasen, denen wir allen Namen geben. Das Reh hieß mit Vornamen „Kartoffelpü“. Nachname „Reh“. Menschen gibt es hier wenig, die Sonne scheint bei leichter Wind Priese, man hat totale Ruhe. Ich entdecke, dass man den Kamin wie einen Klettersteig besteigen kann, und das tat ich natürlich sofort. Freiheit genießen, keine „du darfst nicht“, „das macht man nicht“, „komm runter da“.

Den ersten Tag sind wir wegen des starken Winds und schwacher Sonne in der Wohnung geblieben, lasen, philosophierten und machten Blödsinn. Natürlich musste eine kurze Radtour ans Meer auch sein. Die flach stehende Sonne, die Abwesenheit sämtlicher Menschen, der starke Wind – all das machte das Radfahren am Strand ziemlich mystisch und schön.

Møns Klint

Gleich ganz in unserer Nähe liegt Møns Klint, eine ziemlich coole Klippen-Felsen Konstellation aus weißem Kalkstein. Ein wunderschöner Strand mit klarem und ruhigem Wasser, an den man nur kommt, in dem man vorher durch den Wald und auf abenteuerlich steilen Holztreppen (bis zu 500 Stufen) heruntergeht. Ein lohnenswertes Ausflug Ziel.

Lalandia in Rødby

Lalandia ist ein Indoor Freizeitpark, für den ich als Kind damals wahrscheinlich gestorben wäre. Hier gibt es eine Kletterwand, man kann auf einem Skisimulator (eine Art rollender Teppich) indoor Skifahren, es gibt eine Spielhalle, ein Fitnessstudio, Fastfood, abenteuerlich teure Preise und einen Aqua Dome mit Rutschen, die so geil sind, dass sie in Deutschland wahrscheinlich niemals einen TüV bekommen würden. Wir sind wegen des Aquadomes gekommen, schließlich lag er quasi direkt neben unserer Ferienwohnung. Besonders cool fand ich im Schwimmerbereich die Kunstfelswand, an der man (wohl nicht beabsichtigt) sau gut bouldern konnte. Natürlich habe im Freibad selbst keine Bilder machen können, was für den Blog zwar schade ist, für die anderen Besucher aber so angenehmer war.

København (Kopenhagen)

Schon lange sehnte ich mich danach, die Fahrradhauptstadt Kopenhagen mal selbst zu erleben. Zugegeben, nachdem wir eine Woche lang so gut in unserer Ferienwohnung entspannt hatten, war ich gar nicht mehr so motiviert, einen weiteren Städtetrip zu machen. Dass die Autobahn nach Kopenhagen Verkehrschaos vom feinsten ist, machte es nicht besser. Hier treffen gefühlt 4 spurige Straßen auf 6 spurige Straßen, Brücken, drunter und drüber. Eine typische Beton Landschaft. Und dann erreichen wir Kopenhagen.

Wir parken den Smart auf einem Parkplatz leicht außerhalb, schließlich haben wir ja die Räder dabei. Und was schon beim fahren auf den Parkplatz auffällt, ist, dass die Dänen uns Jahre voraus sind. Denn man gibt automatisch dem Fahrradstreifen, den man überqueren muss, einen Vorrang, da er leicht erhöht ist, und das Auto dieses „Hindernis“ queren muss. Niemand würde hier drüber fahren ohne automatisch langsamer zu werden. Parkgebühren werden ausschließlich über Handy App bezahlt. Oder eben auch garnicht, wenn man weniger als 3h parkt.

Besonders gut gefallen hat mir die Fahrradbrücke, die sogenannte Cykelslangen (Fahrardschlange). Hier gleitet man über das Wasser, vorbei am Kino und Einkaufscenter und dem öffentlichen Freibad. Wer mehr über diese Brücke erfahren möchte, findet auf Zukunft-Mobilität und hier super Informationsmaterial.

Diese Stadt macht glücklich!

Wir steigen auf das Rad und sind positiv überrascht. Über die Ruhe. Ich meine, wir sind hier in der Hauptstadt, und man hört weit und breit keinen Verkehrslärm. Wirklich nicht. Es ist so angenehm ruhig hier. Und alle Menschen tragen diese Ruhe in sich. Es gibt auf den über 2m breiten Fahrradwegen keine Wettrennen, kein gehetzte. Mit einer Selbstverständlichkeit halten Radfahrer an, wenn jemand die Straße zu Fuß queren möchte. Und Autos, wenn man mal welche sieht, fahren Fahrradgeschwindgkeit. Kleinkinder werden im Lastenfahrrad zum Supermarkt gefahren, geparkt wird direkt vor der Ladentüre. Parkplatzflächen für Autos gibt es hier nicht. Die gesamte Stadt scheint wie eine riesige Fußgänger- / Fahrradzone zu sein. Hier ist jeder cm² Lebensraum. Wo früher eine Vierspurige Straße in die Stadt führte, ist heute ein breiter Mittelstreifen mit Spielplätzen, Palmen, Bänken und Radwegen.

Superschöne und moderne Architektur zeigt jedoch, dass das Leben hier eher hochpreisiger ist. Allerdings muss ich sagen, dass ich bisher keine lebenswertere Stadt wie Kopenhagen gesehen habe. Müsste ich nochmal studieren, ich würde nach Kopenhagen gehen. Ich bin verliebt in diese Stadt. Ich erinnere mich zurück, als ich mit Martina in Hamburg extra an einer Stelle in der Innenstadt angehalten habe. Dort war auf einer großen Fläche Kunstrasen ausgelegt und man konnte auf Strandstühlen pause machen. Zwar hörte man ständig Verkehrslärm, aber die Plastik Oase sollte Menschen beruhigen. In Kopenhagen gäbe es das nicht. Weil es nicht nötig ist. Hier ist jeder Zentimeter in der Stadt Erholung. Ohne Plastikgras.